AgbalianFarben beleuchten den Gegenstand
Armenische Kunst von Nune Agbalian in der
Galerie Thaysen-Heyduck

Wuppertal. Es ist kalt in Armenien. Es gibt nichts zum Heizen. Die Schulen sind geschlossen. Nune Agbalian ist mit ihren beiden Kindern für drei Monate nach Deutschland gekommen und fand in Wuppertal freundliche Aufnahme bei armenischen Emigranten. Nune Agbalian brachte ihre Seidenmalerei aus Armenien mit. Die farbenprächtigen Motive werden jetzt in der neu eröffneten Galerie von Maiken Thaysen-Heyduck gezeigt.
Nune Agbalian schreibt über ihre Kunst: ,,Unser Leben scheint den Märchen nicht ähnlich zu sein; aber wir Menschen erwarten fast jeden Tag ein Wunder und möchten leben wie in einem Märchen.“ Vom Wunder des Lebens, das trotz aller Anfechtungen einem Märchen gleicht, zeugt ihre Kunst. Neben Motiven aus armenischen Märchen finden sich auch historische Stoffe wie die Geschichte vom König Ara, dem Semiramis, Königin von Asyrien, einst nachstellte.
Die Bilder erzählen keine Geschichten sondern sind die Geschichte selbst, symbolisch als Bild, in dem das Wesentliche der Geschichte zum Ausdruck kommt. Wie sehr dabei die Farbe den Gegenstand beleuchtet, wird an den biblischen Themen sichtbar: ,,Aus der Tiefe meines Herzens ein Wort zu Gott“ – dem De profundis vergleichbar – zeigt grundthematisch ein blutrotes Violett, läßt Leiden, Passion und den Herzenswunsch, von Gott erhört zu werden, aufklingen.
,,Der Streit zwischen Himmel und Erde“ faßt die personifizierten Mächte in Gold, was symbolisch ihre Einheit regiert und so den Streit auf höherer Ebene schlichtet. Was an Reichtum der Farbe – kaleidoskopartig perlen die Juwelen heraus – an Schönheit geweckt wird, zeigt Nune Agbalian in ihrer ,,Stummen Prinzessin“, die, dem armenischen Märchen nach, einen einfachen Fischer liebt.
Thomas Illmaier
Die Ausstellung von Nune Agbalians Motiven auf Seide wird in der Galerie Thaysen-Heyduck, Friedrich-Ebert-Straße 84 noch bis 20. Februar gezeigt. Di bis Fr 11 bis 13 Uhr und 15 bis 18 Uhr; Sa 10 bis 13 Uhr. Telefon 318558.

DER WEG, 7/1994, S. 13.


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