Suche
nach neuen Chancen
Albanische Pianistin will künstlerische Begabung ausschöpfen
Wuppertal. Nur im stillen Raum zu spielen,
ist nicht Lebensziel einer Künstlerin. Auch sie möchte mit ihren
Möglichkeiten an die Öffentlichkeit treten: Rezarta Allmuça,
die Pianistin. Noch aber sucht sie, die Neu-Wuppertalerin, dafür Gelegenheit;
in Gemeindehäusern und Kirchen ebenso wie im Konzertsaal. Und wer ihr
Musizieren hinter geschlossenen Türen oder bei den wenigen Auftritten
in Solingen, Remscheid und Beyenburg schon gehört hat, der weiß,
daß das nicht immer so bleiben wird.
Schließlich
spielt Rezarta Allmuça schon seit ihrem sechsten Lebensjahr Klavier,
besuchte eine Spezialschule für Konzertpiauisten, bevor sie Klavier an
der Musikhochschule in Tirana, Albanien studierte. Aber ihre Karriere wurde
unterbrochen: bedingt durch politischen Druck seitens der kommunistischen
Regierung in Albanien, dem insbesondere ihr Mann, der Maler Sali Allmuça,
ausgesetzt war, verließ das Ehepaar sein Heimatland. Suchte in Deutschland
politisches Asyl und die Freiheit, eine neue künstlerische Existenz aufzubauen.
Doch das erwies sich schwerer als gedacht. Bald nach ihrer Ankunft kaufte
Rezarta Allmuça sich zwar ein eigenes Instrument, aber es gab Schwierigkeiten
mit den Nachbarn. Die konnten sich weder für das fortgesetzte Üben
noch für Beethoven, Bach oder Haydn erwärmen. Als bislang einzige
brachten Mitglieder der neuapostolischen Gemeinde in Langerfeld eine Zwischenlösung:
Ein ungenutztes Klavier erhielt einen neuen Platz im Gemeinderaum, der eigentlich
für die Jüngsten bestimmt ist. Hier nun spielt Rezarta Allmuça
jeden Tag. Und wenn es einmal neun Stunden werden, dann stört auch das
noch lange nicht.
Thomas Illmaier
Foto zeigt Rezarta Allmuça. Bildunterschrift: Die Pianistin Rezarta Allmuca kam mit ihrem Mann, dem Maler Sali Allmuça, von Albanien nach Deutschland. In Wuppertal sind sie jetzt zu Hause, Aber eine neue Heimat, jedenfalls eine Künstlerische, suchen sie noch.
DER WEG, 29/1992, S. 13.