Wie Gespenster aus dem Computer
Arbeiten von Michael Badura in Hagen
Von unserem Mitarbeiter Thomas Illmaier
Michael Badura, Professor im Bereich Design an der Bergischen Universität zeigt bis zum 1. März ,,Neue Arbeiten“ im Osthaus-Museum Hagen. Zwischenzeitlich wird er dort – am 14. Febr. um 20 Uhr – seine Arbeiten ,,Die Eingeweckte Welt“ vorstellen, die das Museum angekauft hat.
Den Weg, den Badura von der „Eingeweckten Welt“ (1964) bis zur
Computergraphik 1992 zurückgelegt hat, nennt der Künstler selbst
seinen „Weg zum digitalen Kunstwerk“. Das digitale Kunstwerk des
Jahres 1992 setzt den Computer voraus, der in der Halle des Osthaus-Museums
ganz unmißverständlich tickt, rechnet und recherchiert und die
Graphik am laufenden Meter ausdruckt.
Die großen
– überdimensionalen – Graphiken des Künstlers zieren
die Räume des Museums, die sich spiralförmig nach oben winden. Das
Thema: „Menschen nach Maß“, zwischengeschaltet ,,Der Nadelwald“.
,,Menschen nach Maß“ sind recht eigenartige Figuren, „musterman“,
„knechtmann“, „langeva“ oder ,,goldfrau“ betitelt.
Sie sind weder gemalt
noch gezeichnet, sondern „errechnet“ – und gedruckt. Sie
sind das Werk des Computers und seines Programms, das Michael Badura entwickelt
hat und in dieser Form für das Osthaus-Museum zum ersten Mal präsentiert.
Von der „Eingeweckten
Welt“ bis zu den „Stuntmen“ der Computergraphik ist es ein
Weg, den derselbe Künstler gegangen ist, der seinen Ideen, seiner Einstellung
treu geblieben ist.
Während „Eingeweckte
Welt“ bereits 1964 eine aufgeweckte Welt des ökologischen Bewußtseins
implizierte, zeigt die berechnete und doch dem Zerfall anheimgestellte Computergraphik
kritisch ein Gen-manipulatorisches Interesse.
Der Künstler
weist darauf hin, daß mit seinem Computer-Programm Menschen möglich
sind, die an Gespenster erinnern. Es geraten Figuren außerhalb und jenseits
der Kontrolle des Künstlers. Etwas Ähnliches ist bei der Genmanipulation
der Fall: Eingriffe in den menschlichen Genpool zeitigen unkontrollierte Wirkungen,
den Dominoeffekt, von dem Badura in seinen futuristischen Ausblicken eine
Kostprobe gibt. Die „Menschen nach Maß“ kunstvoll zitiert,
sind echte Gespenster.
Westdeutsche Zeitung, Samstag, 8. Februar 1992