Michael Barnett,,Bürgerschreck“ lieh der Natur seine Stimme
Bildband über das Gesamtwerk Michael Baduras erschienen

(ti). Michael Badura, enfant terrible zeitgenössischer Kunstszenen, wurde kürzlich eine Ausstellung im Osthaus-Museum, Hagen, anläßlich des Ankaufs der ,,Eingeweckten Welt“ (Badura 1964/91) eingerichtet. Gezeigt wurden außerdem ,,Neue Arbeiten“, vor allem Computergraphik, die ,,Menschen nach Maß“ (1986-1991).

Viele Arbeiten bis 1976 sind nicht mehr auffindbar und nur noch als Fotos überliefert. Deshalb ist es Michael Fehr, Direktor des Osthaus-Museums, zu danken, daß er der Öffentlichkeit jetzt das Gesamtwerk Michael Baduras in Form eines schwergewichtigen Bildbandes präsentiert.
Badura hat mit seinen Arbeiten protestiert, wo andere Leute konsumiert haben, sei es gegen Umweltverschmutzung, Bürokratisierung oder Digitalisierung des Menschen. Badura, der ehemalige Bürgerschreck, lehrt heute als Professor am Fachbereich Design der Bergischen Universität Wuppertal. Badura wohnt der Schöpfung – im Sinne Paul Klees – näher als üblich. Man hat den Eindruck, daß nicht er, sondern die Natur selbst protestierte: ,,Teegewächse“ (1967), ,,Gift-Hafer“ (1950), ,,Bleilandschaft“ (1971), ,,Büro für George Orwell“ (1984), in das eine Farbbombe eingeschlagen hat. Und jetzt auch noch die Gespenster nach Maß, die digitalisierten Computer-Menschen.
Badura klopft an Türen, an denen jeder gern vorüberschleicht, und öffnet sie. Die perverse Phantasie des Bleivergifters, der entfremdete Computer-Hacker; sie treten jetzt als Künstler auf. Wie einst Hsü Wei, der ein Frauenmörder war und – Bambus malte. Badura vermag sich in den einen wie den anderen zu verwandeln. Besser nicht hingucken, möchten wir sagen, aber Badura hält den Blick aus. Diese Art Kunst ist ein Pro-Test. Entfremdung als Prinzip der Unterscheidung führt sukzessive in den Abgrund: Der Nihilismus zeigt sein Gesicht oder gar keines mehr (,,Michael Badura“,. Verlag für moderne Kunst; 432 S., ca. 98 Mark).

Bild: Badura beim Aufbau der ,,Eingeweckten Welt“.

Westdeutsche Zeitung / Generalanzeiger, 10. April 1992.


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