Nach dem Abgrund der Sumpf
Hubert Berke in der ,,Ruhmeshalle“

N ach den abgründigen Bildern Rudolf Schoofs geht die Kunsthalle Barmen ein neues Risiko ein; sie stellt die Bilder von Hubert Berke aus. „Masken im Sumpf“ so der unedle Titel für eine unedle Realität, an der Hubert Berke nun zweifeln kann. Er sah die Kreaturen des Nationalsozialismus heraufkommen und untergehen; Er sah sie aber auch wiedergeboren werden in der Nachkriegszeit, das Große Fressen zu veranstalten und die neue Korruption einzuleiten. Darüber hinweg half Ihm auch kein Buddha.
1951 schließt sich Hubert Berke der ZEN Gruppe an. die sich der zenbuddhistischen Malerei verpflichtet fühlt: Für Hubert Berke „klarer Bambus im Geäst von Sternenbahnen. / Diese Landschaft fast ein nichts auf dem Papier, steht für alle / Landschaften der Welt.“ Einen klaren Ausdruck dieses Geistes geben Hubert Berkes Bilder aus den 50er Jahren nicht alle, aber doch einige, die man unschwer am fernöstlichen Gehabe erkennen wird.
Die Masken im Sumpf wollen zum buddhistischen Geist der Leere wenig passen. Leben sie überhaupt? Nach buddhistischer Auffassung sind die ,zehntausend Dinge“ – die Vielfalt der Weit – in sich einfach leer, ohne Substanz. Wie sollte eigentlich der Maler, der Mensch, der Zeitgenosse, der sie miterlebt, unter Ihnen leiden? Das ist die Kardinalsfrage und auch der Hebel, der das künstlerische Schaffen in Gang zu setzten weiß. Den Henker, den General und all die anderen faschistischen Typen noch einmal auf die Leinwand zu bringen und sie mit ästhetischen Reiz noch einmal zu präsentieren, dieser Versuch lebt nur von seiner inneren Leere, es sind nur Bilder, die man als Bilder auch genießen kann.
Etwas schwieriger fußt die Ästhetik der Leere, das unsichtbare Tao: „Drehpunkt, um den sich alles bewegt“ (Berke) beim Aufbau der teils schwergewichtigen Metallskulpturen des Künstlers, die alle etwas Roboterhaftes an sich haben. „Hippie Memorial“, „Denkmal für eine geschundene Lehrerin“ (1967) und die Taucherglocke, in der auf Knopfdruck des Betrachters eine Sirene tönt und erschüttert, während im Bunker-Bauch des Monsters die Blumentöpfe wackeln. „Das Vaterland wird es euch danken“, heißt es sinnigerweise anstelle einer Gebrauchsanleitung. Diese Realität zu entmaterialisieren, indem man sagt: die Welt ist leer, und was mich umgibt, sind Illusionen, sind Bilder, fällt schwer. Aber der Künstler hielt das bis zum Ende durch, mit einem Augenzwinkern.

Thomas Illmaier

Hubert Berke: „Masken im Sumpf“. Kunsthalle Barmen, Geschwister-Scholl-Platz 56, Wuppertal-Barmen bis 30. August 1992.

Wupper Nachrichten, 14/1992, S. 10.



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