Der Schatten meines Traumes
Gedichte von Joachim Bischoff

Von unserem Mitarbeiter Thomas Illmaier

Der 1990 infolge schwerer Krankheit verstorbene Wuppertaler Künstler Joachim Bischoff, dessen ,,Europavisionen“ in Asche und Acryl noch bis zum 10. Mai in der Galerie van Remmen, Solingen-Merscheid, zu sehen sind (wir berichteten), versuchte sich auch als Autor von Gedichten. Die Edition Schwarze Seite in Wuppertal hat jetzt ein bibliophiles, handgebundenes Buch mit Gedichten von Joachim Bischoff herausgebracht.

Zu diesem Buch haben Wuppertaler Künstler, die Bischoff kannten und schätzten, 14 Originalgraphiken, handsigniert, beigetragen. Die limitierte Auflage des Buches ,,Ich bin nur ein Schatten meiner Träume“ ist durchgehend nummeriert. Bischoff hatte zeitweilig mit dem Gedanken gespielt, das Malen zugunsten des Schreibens aufzugeben. Das Schicksal wollte es jedoch anders.
Bischoffs posthum veröffentlichte Gedichte reichen sicher nicht an das heran, was er als Maler leistete. Es sind Gelegenheitsgedichte und sollen im Grunde nicht viel bedeuten. Malerisch: Ein Blatt auf der Wasseroberfläche treibend, bewegt vom Wind der Zeit. Poetisch wird Bischoff da, wo er Kontakt mit der Realität faßt, während der Krankheit, an der er starb, die ihm Stoff gibt, ,,Paradies“ zu dichten: Ja ,,geradezu elegant. windet sich schlangengleich/der Schlauch vom Tropf zu dem Arm des Kranken.“ In dieser Welt, und sei es als Kranker, will er seine ,,Bilder entwerfen/und keinen leeren Rahmen dulden...“
Poetische Kraft gewinnt Bischoffs Autorschaft, wie in seiner Malerei auch, im Kontakt mit der Realität. Sei es im Rückblick auf den preußisch-blauen Schulmeister der Kindheit oder als der Grenzgänger der beiden deutschen Staaten, als es ihn trieb ,,nach Westen, gen Westen/... während im Osten/die Sonne aufgeht.“
Bischoff sah sich selbst: ,,Ich bin nur/der Schatten/meines Traumes“ – wie einst der Olympier Pindar: „Was ist – was ist man nicht? – Eines Schattens Traum – Der Mensch! Sobald aber Glanz, gottgegebener, kommt, ist strahlend Licht bei den Menschen, freundlich ihr Dasein“. (Edition Schwarze Seite, Tel. 84924).

Westdeutsche Zeitung / Generalanzeiger, 22. April, 1992, S. 12.

 

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