Europavisionen in Acryl
Bischoff und Froeschlin: Herausragendes der politischen Kunst

(til). Werke von Joachim Bischoff und Eckhard Froeschlin stellt die Galerie van Remmen in Solingen aus. Die Werke dieser beiden Wuppertaler Künst1er reichen von Mischtechniken über Farbradierungen bis hin zu Pastellmontagen.

Joachim Bischoff, 1990, noch nicht vierzigjährig, in Wuppertal verstorben, hinterläßt ein Vermächtnis, das, geschichtsträchtig und zeitkritisch zugleich, der Idee Europa gewidmet ist. Die Idee des gemeinsamen Europa, durch zwei Weltkriege in diesem Jahrhundert immer wieder erschüttert, gewinnt im Werk Bischoffs eine Tiefendimension besonderer Art. Die Idee ist alt, ihre Grundlagen liegen im römisch-katholischen Christentum.
So alt ist die Idee, daß Joachim Bischoff seine Kartographien auf Lappen von Leinwand konzipiert und in Asche und Acryl ausführt. Im Nadir das Pax in Cruce Zeichen und im Zenit das Emblem von Coca Cola; denn die Herren der Welt reichen sich über Generationen von Geschichte, wenn nicht den Geist, so dann doch die Hände.
Nichtsdestoweniger gehören diese Europavisionen künstlerisch zum Besten, was politische Kunst zu bieten hat.
Freund und Malerkollege Bischoffs ist Eckhard Froeschlin. Seine Farbradierung und Pastellmontage leben von Anklang und Zitat, das sich bis zur Fiktion verselbständigen kann. So erschießt sich van Gogh bei Christie’s in London; Sonnenblumenbild und Safe sind für den Betrachter sichtbar. Dieses Werk gehört zur Serie ,,Künstlertod“, der für den Maler nicht blackout, sondern rot erscheint. Froeschlin entmythologisiert genauso erbarmungslos, wie er ohne Bedenken auf den Tod hin spekuliert. Beuys Installation ,,Zeige deine Wunde“ gerät im Ideenkreis von Froeschlin zum Schnappschuß der Wunden Christi. ,,Vergnügt euch am Deutschen Volke“ – „Die letzten Tage von Karl Marx Stadt“ – ,,Umarmung“ dürfen wir als Anti-Bürgerkriegsmanöver verstanden wissen – hier, wo im Herzen Europas, Bischoff zeigte es an, Berlin genau in der Mitte liegt. (Solingen, Bebelallee 10; bis 10. Mai, Tel. 0212/336622).

Westdeutsche Zeitung / Generalanzeiger, 9. April 1992, S. 9

 

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