Brigitte Breiter-Putsch Über Grenzen hinaus
Arbeiten von Brigitte Breiter-Putsch

Wuppertal. Das Engagement für den Frieden und für mehr Mitmenschlichkeit ist auch für die Malerin Brigitte BreiterPutsch unverzichtbar. Durch Kontakt mit der Pfarrfamilie Krieners in Wuppertal lernte Brigitte Breiter-Putsch auch die Solidarische Kirche im Rheinland kennen, jene, die sich praktisch einsetzt: mit Mahnwachen gegen die Cruise Missiles, die todbringenden Raketen, mit Demonstrationen gegen Ausländerfeindlichkeit wie jüngst in Wuppertal. Brigitte Breiter-Putsch fühlt sich der Solidarischen Kirche zugehörig und unterstützt deren Aktivitäten, soweit die Zeit es der Malerin erlaubt.
Als Künstlern ist ihr Bezug zur Kirche und zum Christentum nicht so offensichtlich. Im Zentrum ihres Werkes stehen bei Brigitte Breiter-Putsch Ölgemälde neben Farbradierungen und Aquarellen. Sie unterrichtet mit ihren Zeichen- und Malkursen auch Kinder und Erwachsene.
Im Zentrum ihrer Malerei sind die Ölgemälde von besonderer Bedeutung. Sie sind nämlich fast alle rot. Rot bedeutet für Brigitte Breiter-Putsch Feuer, Mut, Veränderung, Aktivität. Und so wirken auch ihre Bilder, auffordernd, motivierend, ja manchmal beunruhigend. Sie bevorzugt die nicht-gegenständliche Malerei. So sind ihre Bilder manchmal wie die roten Schatten, die durch Wolken des Lichts fliehen, wobei alle Töne des roten Spektrums zur Geltung kommen, einschließlich der dramatischen Violettöne. Übrigens vermeidet sie Schwarz. Ähnlich wie die Impressionisten baut sie ihre Bilder durch reine Farben unter Ausschluß des Schwarz auf. Alle ihre Rot-Bilder haben etwas stark Mystisches an sich. Sie gehen über die Grenzen der Form hinaus, ins Weite, doch bleibt eine Grundaussage über ein unergründliches Mysterium darin enthalten. Dieses Mysterium ist es gerade, das uns ahnen läßt, daß über die Realität hinaus noch etwas anderes gegenwärtig ist, das ein Künstler offenbaren kann. Darum ist sein bildnerisches Gestalten so wichtig.
Neben ihren Ölgemälden zeigt Brigitte Breiter-Putsch auch interessante ,,Fensterbilder“, die an Kirchenfenster erinnern, durch die das Licht wie durch einen Fokus flutet. Zu diesen ,,Fensterbildern“ – Farbradierungen – wurde Brigitte Breiter-Putsch durch Raffaels Stanzen im Vatikan inspiriert. Während einer Rom-Reise 1990/91 entdeckte sie den friedvollen Charakter der Renaissancekunst, insbesondere das jugendliche Genie Raffaels. Das berühmte Fresco ,,Die Befreiung des Heiligen Petrus aus dem Kerker“ von Raffael im Palazzi Vaticani zeigt im Zentrum den Engel in der Gloriole, deren gleißendes Licht hinter den Gitterstäben des Kerkers sichtbar wird. Dieses Motiv hat die Künstlern bewegt, und so entstehen Brigitte Breiter-Putschs ,,Fensterbilder“, die immer wieder das durch die Gitterstäbe hindurchbrechende, befreiende Licht zeigen. Die Quelle der Kraft, die im weißen Licht sichtbar wird, hat die dominierende Wirkung in Brigitte Breiter-Putschs Fensterbildern.
Ein anderer bedeutender Zyklus ihrer Radierungen sind die ,,Interaktionen“. Das Innere des Menschen muß sich mit dem Äußeren der Welt verbinden. Die auf dem Urphänomen der Spirale aufbauenden Bilder werden sodann von einer anderen Grundform, dem Quadrat oder dem Dreieck, geschnitten. Diese Berührung dringt tief ins Zentrum, das wie auch das Innere des Menschen, wie sein Herz, verletzbar ist. Der besondere Effekt dieser Bilder ist nicht nur die Distanz, mit der man gewöhnlich Bilder betrachtet, sondern liegt gerade in ihrer Nähe. Eingeladen zur Interaktion, tritt man ganz nahe an die Bilder und sie werden zur gemeinsamen Kommunikation.
Brigitte Breiter-Patschs Malerei lädt ein zur Inspiration durch ein schöpferisches Bewußtsein, das die Malerin auch lehren kann. In ihren Malgruppen wird der Wert der eigenschöpferischen Erfahrung entfaltet. Der neue Blickwinkel, die Erfahrung der schöpferischen Kraft wird Kindern und Erwachsenen gleichermaßen deutlich. Dazu bedarf es jedoch einer kontinuierlichen Übens, das Arbeit, aber auch Erfindung sein kann. Die Glut des ersten Augenblicks entfaltet sich mit wachsender Wahrnehmung schöpferischer Kräfte. – Freude zum Kennenlernen bietet das regelmäßige „Offene Atelier“ der Malerin in der Beyenburger Freiheit 55.

Thomas Illmaier

DER WEG, 29/1992, S. 14.




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