Seine Kunstwerke umreißen zwei große Weltanschauungen
Ausstellung im Von der Heydt-Museum erinnert an Conrad Felixmüller

Als Wassilij Kandinsky schon die ersten Züge seines bahnbrechenden Buches ,,Über das Geistige in der Kunst“ konzipierte, das das Programm des Expressionismus werden sollte, wurde Conrad Felixmüller gerade erst geboren. Man darf ihn wohl zu den ,,jüngeren“ Expressionisten zählen. Seine Ausbildung begann in Dresden, führte ihn über Wiesbaden nach Berlin, und schließlich lehrte er selbst das Zeichnen und Malen: In Halle wurde er Professor, blieb dort bis zu seiner Emeritierung 1962.
In Conrad Felixmüller schneiden sich zwei Linien einer Weltanschauung, wie sie für das 20. Jahrhundert typisch sind: Kommunismus und Christentum. Als Mitglied der KPD schlägt er den ,,Großen Staatspreis für Malerei“ in den Wind. Er wird zwar geehrt, tritt aber den mit dieser auch ,,Sächsischer Rompreis“ genannten Auszeichnung verbundenen (und finanzierten) Romaufenthalt nicht an. Statt dessen siedelt er ins Ruhrgebiet über und zeichnet, radiert oder schneidet in Holz das Arbeiterleben nach, dem er in seinen Blättern gewaltige Ausdrucks-kraft verleiht.
Ähnlich wie Käthe Kollwitz hat er ein Auge auf die Liebenden, die er in Industriegelände, in Kohlenrevier oder Fabriklandschaften plaziert. Liebe, trotz der harten, Menschen verschleißenden Arbeit! Seine Bilder mahnen zum Ende des sozialen Krieges und erheben den ,,Ruf nach dem Ende der Gewalt“, wie es in Felixmüllers Publikation ,,Menschen“ heißt.
Nach dem Kriege und dem Zusammenbruch Deutschlands führt er in den Jahren 1951/52 sechs große Emporengemälde für die Kirche in Tautenhain/Sachsen bei Leipzig aus. Zum 100. Geburtstag zeigt das Von der Heydt-Museum einen Ausschnitt des Werkes des Künstlers mit dem Schwerpunkt auf den Dresdner Jahren 1912—1933.
Thomas Illlmaier
Von der Heydt-Museum: „Conrad Felixmüller. Die Dresdner Jahre. Aquarelle und Zeichnungen 1912—1933“. Die Ausstellung läuft bis 22. ]uni. Führungen und Info-Telefon: 0202-563 6231.


Der alte Wanderprediger“ – ein Werk von Felixmüller aus dem Jahr 1921.

DER WEG, 23/1997, S. 11.

 

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