Newcomer der Kunstszene
Galerie Schlötzer eröffnete im Kornblum-Center

Gemeint ist kein Künstler, sondern der Galerist Philipp Schlötzer, der im Mai seine Galerie, die auch seinen Namen trägt, eröffnete. Im Kornblum-Center, Klophausstr. 25 zeigt Schlötzer bis auf weiteres seine angestammte Sammlung und einiges im Auftrag mehr oder minder bekannter Künstler. Namen wie Tapies oder Friedländer sprechen für sich oder auch nicht. Tapies ist bekannt, Friedländer will es erst noch werden.
Die Vorbereitung für den Aufbau der Schlötzer Galerie war langwierig und aufwendig. Jetzt ist der Galerist Schlötzer mit einem sehr schönen Studio auf der Mitteletage des Kornblum-Centers vertreten. Seine Bilder hängen aber im ganzen Treppenhaus des mehrstöckigen, renovierten Industriebaus aus dem 19. Jahrhundert. Der Ausstellungsraum von Schlötzers Galerie ist in der ehemaligen ,Waschkaue‘ untergebracht, dem Wasch- und Umkleideraum der Industriearbeiter. Heute ist davon natürlich nichts mehr zu sehen. Dieser Raum ist heute vielmehr ideal für ein Atelier: Groß und hell. Schlötzer zeigt hier Kunst von Alary bis Zeyfang, das ganze internationale, besonders europäische Alphabet, doch mit Akzent auf deutscher und österreichischer Malerei.
Schlötzer hat einen Modus gefunden, bestimmte Werke im Rahmen eines Gesamtkunstwerks zu präsentieren. Dazu gehören die Bilder oder Skulpturen, die Sitzecke, der Leuchter und der Tisch, an oder auf dem sich Kunst ebenfalls darbieten kann.
Das ganze wirkt ausgesucht freundlich und zeugt von einem Kunstsinn, mit dem man leben, ja wohnen kann. Wer bei Schlötzer kauft, kann sich erst einmal aussuchen, was für seine Wohnung, Atelier oder Büro paßt und dann mit den Kunstwerken seine Zeit verbringen. Wenn er/sie aufhört, die Kunst drumherum zu mögen, kann er sie zurückgeben. Er sucht sich etwas Neues aus, mit dem er sich dann in seiner Wohnzelle liiert. An den Partner Kunst muß man sich halt gewöhnen. Erst zu Hause, in den eigenen vier Wänden, wird Kunst ja richtig lebendig.

Thomas Illmaier

Bild: Rumeur de la nuit II (1991) von Gerard Alary.

Wupper Nachrichten, 13. Juni 1992.


 

 


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