Der Geist der Agäis
Andrzej Irzykowski im BKG-Studio


(ti) Nicht Harmonie, sondern Gleichgewicht – in dieser Selbstcharakteristik seiner plastischen Arbeiten gibt uns der Danziger Künstler Andrzej Irzykowski gleichsam einen Schlüssel zum Verständnis seiner Arbeiten an die Hand. Andrzej Irzykowski stellt Bronzeskulpturen, freie Malerei und Zeichnung im BKG-Studio, Geschwister-Scholl-Platz aus.

Mit diesem Künstler hat die Bergische Kunstgenossenschaft einen Glücksgriff getan; denn was Irzykowski bietet, sieht man nicht alle Tage.
Irzykowskis Plastik lebt vom Geist der ägäischen Kultur, doch nicht in klassisch griechischer Gestalt. Seine Plastik lebt vom Geist überhaupt, der nicht die Gestalt der klassischen Antike annehmen kann, weil die alte Form nicht unserer modernen Seele entspricht. Wir sind im Geiste vielfach deformiert, und deshalb entspricht uns ein anderes Menschenbild, auch äußerlich: Die Seele sichtbar gemacht, darin liegt das Verdienst der Irzykowski-Skulpturen. Das BKG-Studio wird im kleinen Präsentationsraum zum Tempel – zum „Kriti“ Tempel, wie ihn Irzykowski auf Kreta wiederentdeckte. Der Geist der Agäis lebt, auch ohne die klassische Form zu wahren.
Ein seltsamer Beigeschmack zur Plastik des Künstlers, dessen „Nike“ sich mancher Liebhaber auf den Schreibtisch oder ins Bücherregel stellen möchte, sind Irzykowskis Zeichnungen in China Tusche, die als Entspannungs-Realisation zur anstrengenden Arbeit an der dreidimensionalen Plastik entstanden. Beigeschmack, weil man diese Zeichnungen, romantisch gestimmt, am liebsten auf der Zunge zergehen lassen möchte: So schön sind sie; Bewegung löst sich in Impulse auf.
Am Rande der Ausstellung zeigt Andrzej Irzykowski Acryl Bilder mit etwas Sand angemischt mit Szenen aus der Urzeit der Höhle: Der Mensch konnte ja kaum laufen, als er bereits die Waffen zum Kampf erhob. (BKG-Studio, Eingang Höhne bis Anfang Juni1992; Die-Fr. 17-19 Uhr, Sa. 11-13 Uhr).

Westdeutsche Zeitung / Generalanzeiger, 22. Mai 1992, S. 14.

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