(ti.) Wuppertaler werden sich an Inken Bojes Installation ,,Die Waffensammlung“ erinnern, die jüngst im Raum des „,Atelier- und Galerie-Kollektivs“ zu sehen war. Matriarchal ausgestattete Waffen wurden von einer überdimensional vergrößerten Strickschrift gesäumt.
Diese Idee findet jetzt in einem neuen Licht ihre Fortsetzung.
Die Installation „Pathos“ von Anna Loebner im „Kunstraum“
zeigt ein Damoklesschwert, dessen Spitze über einem fetten, rot gepuderten
Herzen hängt und jeden Moment niedersausen kann.
uen Quadrat, das
aus feinen blauen Schnüren gewebt ist, die den „Kunstraum“
durchspannen. Dieses blaue „Trampolin“ ist so sensibel, das es
bei sachter Erschütterung schon vibrierend in Bewegung gerät.
Das Herz ist dasjenige
Organ, dessen Richtung auf jene Unendlichkeit zeigt, nach der sich der Künstler
sehnt. Dieses Herz zu zerstören, wäre das Ende der Laufbahn. Anna
Loebner spielt also mit dem Feuer, was im großformatigen „Feuerbild“
der Künstlerin – wie in einem transzendenten Spiegel der Installation
,,Pathos“ – im Hintergrund noch einmal symbolisiert wird. Für
Anna Loebner ist das Spiel mit dem Feuer derzeit der äußerste Punkt
ihres an Reife und Unendlichkeit gewinnenden Werkes.
Von Rot auf Blau
hat die Geschichte der Kunst tausende Beispiele geliefert, bis Ernst Jünger
1938 schreiben konnte: „Damit das Rot in seiner höchsten Qualität
sichtbar werde, bedarf es jedoch des Blauen als Hintergrund. Dies wird einleuchten,
wenn man einen kleinen roten Gegenstand auf einer blauen Fläche erblickt.“
Die Installation „Pathos“ ist im ,,Kunstraum“ bis 23. Februar
1992, tägl. 16-19 Uhr, Sa. und So. 10-13 Uhr zu sehen.
Westdeutsche Zeitung / Generalanzeiger, 29. Jan. 1992, S. 14.