Das innere Licht
Galerie CBB stellt Ölbilder und Graphik aus

Wuppertal. ,,Das innere Licht“ – unter diesem Titel stellt Jean Penuel seine Bilder in der Galerie CBB, Obere Lichtenplatzer Straße 236 in Wuppertal aus. Das Thema läßt aufhorchen: Schon bei Luther gibt es Hinweise auf die Lehre vom inneren Licht., die später unter anderem von den Quäkern aufgegriffen wurde.
Jean Penuel hat für sein ,,inneres Licht“, das Gottes Schöpfung durchstrahlt, eine eigene Technik entwickelt. Um die Farben wie reines Licht wirken zu lassen, mischt er nicht nur die Farben, sondern kocht sie auch. Das genaue Rezept bleibt allerdings Geheimnis.
Die Wahl der Bildthemen bei Jean Penuel ist unterschiedlich, wenngleich bestimmte Motive immer wiederkehren. Zu dem Schönsten seiner Kunst gehören die Bilder im Umkreis von ,,L‘ovée“; aus dem Ei, einer Knospe gleich, entfaltet sich die Gestalt des Urweiblichen, der Frau. Die meditative Stimmung, die Nachdenklichkeit, bevor der Geist aus dem Inneren der Knospe bricht, ist in einigen wunderschönen Bildern festgehalten.
Die Farben bei Jean Penuel sind sanft und dienen oft der Form als Untermalung. So kommen traumhafte Sentenzen zustande. Dennoch sind PenueIs Bilder nicht reine Mystik, wenngleich die Stimmung als Bildfassung, wie bei den Impressionisten, den Ausschlag gibt. Die Farbe wird auch, oft in denselben Bildern, zur Folie der Abstraktion. Doch wird die Form der Abstraktion durch seine sanften weichen aufgehellten Farben gemildert.
Das innere Licht ist keine Abstraktion. Wo es die Bildwelt durchflutet und von innen erleuchtet, läßt es den Betrachter nie vergessen, daß er in der Wirklichkeit zu Hause ist und nicht etwa träumt. Jean Penuels kosmische Bilder zeigen auch die unendliche Weite des Himmels zugleich mit greifbaren Objekten, den Planeten und Sonnen des göttlichen Systems. Doch immer trägt die Stimmung von Jean Penuels Bild über das Handgreifliche des Augenblicks hinaus in die Tiefen des Geistes, der jede Form, jede Grenze transzendiert.
Philosophen wie Heidegger hätten an Penuels Bildern sicher ihre Freude gehabt. Ein Bild wie ,,Das Sein in der Landschaft“ zeigt die ruhende Ewigkeit in jedem Moment eines pulsierenden, lebendigen Landschaftsthemas. Der Betrachter wird immer wieder zur Kontemplation aufgerufen und entdeckt schließlich, daß der Himmel gerade für diese Erde ist und die Erde nur unter diesem Himmel sein kann. Diese Erkenntnis wie in ,,Ciel de terre“ erschließt den Geist der Landschaft.
Ein Wunder bleibt, daß ein Künstler, der in Mönchengladbach wohnt, zu solch farbenfrohen und zutiefst beruhigenden Bildern inspiriert werden kann.
Nichtsdestoweniger malt er auch als Zeitgenosse unser aller Schicksal mit. ,,Auf dem Drahtseil“ zeigt einen Sisyphos, der heute in der waagerechten Lage ist, mitsamt seiner Kugel abstürzen zu können. Scheinbare Leichtigkeit kann den Fehltritt geradezu begünstigen.
Es ist eine große Leistung und ein Drahtseilakt auf dem Mittelweg, der gangbar ist, daß Jean Penuel den höheren Geist des Menschen, ausgedrückt in Metaphysik und Religion, als inneres Licht der Schöpfung sichtbar machen kann.
Thomas Illmaier

Die Ausstellung in der Galerie CBB ist noch bis zum 31. August 1992 geöffnet.

DER WEG, 31/1992, S. 14. Bild: Jean Penuel „Kontemplation“.


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