Talismane für Nicht-Seher
Arbeiten von Claudia Pizzuto in der Katholischen Hochschulgemeinde

(ti) ,,Talismani per non veggenti - Talismane für Nicht-Seher“ präsentiert Claudia Pizzuto in der Katholischen Hochschulgemeinde, Auer Schulstr. 13. Die Künstlerin möchte den Blick schärfen und die Hingabe des Betrachters herausfordern mit ihren Talismanen für Nicht-Seher.

Als Genueserin sieht sie den Deutschen anders, als er sich selbst sieht, und setzt diesen Blick in Verse. Daß wir ohne Geschichte sind oder so wenig stolz auf sie; wie anders die Römer. Aber hier in Deutschland? ,,Auch die Geschichte ist geflohen“. Frau Pizzutos Verse dienen als Hintergrundinformation, die gesprochen ein Teil der collagierten Environments der Künstlerin sind.
Wir passieren die ,,Ruinen“: Schichtungen aus Wellpappe (mit Brandspuren), Farben, Tinten und hören aus dem Hintergrund die Stimmen, eine Hörcollage sich überlagernder Stimmen, die zuletzt im Chor eine scheinbare Einheit finden: Ein wahres Gebet ,,Marmelade, Knäckebrot, Käse, Büchsenmilch, Zucker“ und und und. So betet man in Ruinen. Das ist das Letzte, was übrig bleibt, ,,ist nur ein Rest, ein kleines selbsthypnotisches Fragment, ein Talisman für Nicht-Seher“. Nicht alle Talismane von Claudia Pizzuto sind so apokalyptischen Inhalts, aber Geister beschwören sie alle, die farbenprächtigen Totems, die so manches Tabu brechen; und für die, die nicht sehen wollen, erklingt die Geisterstimme auf Tonband. Die ,,Talismani“ sind Mo. bis Fr. 9.00 - 18.00 Uhr bis 20. Mai zu sehen.

Westdeutsche Zeitung / Generalanzeiger, 8. Mai 1992, S. 10.


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