Das Kreuz bleibt ein Wahr-Zeichen
Meisterwerke von Auguste Chabaud im Von der Heydt-Museum

Wuppertal. Das Von der Heydt-Museurn zeigt eine große Ausstellung Meisterwerke von Auguste Chabaud (1882-1955). Er gilt als ein französischer Expressionist oder, wie André Salmon es ausdrückte, als ,,Tapferster der Fauves“. Expressionisten und Fauves sind zeitgleich die wichtigsten Kunstströmungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Fauves (die Wilden) in Frankreich, die Expressionisten wie Kandinsky, Nolde und andere in Deutschland.
Auguste Chabaud stammte aus einer Hugenottenfamilie und liebte, nach anfänglichen gemeinsamen Ausstellungen mit Picasso, Matisse und anderen, die ländliche Zurückgezogenheit. Kritiker machten Chabaud das zum Vorwurf: Sie sahen in ihm schließlich nur noch einen Provinzmaler. Dieses Urteil mag dazu beigetragen habe, daß Chabaud lange Zeit vergessen und hierzulande bis jetzt nahezu unbekannt war.
Das Werk Chabauds zeigt neben den obligaten Landschaftsansichten, vornehmlich aus der Provence, viel Zwielichtiges aus der Großstadt; last but not least interessante Einzelstücke mit religiösen Motiven. Zu ihren beeindruckendsten gehören die ,,Frauen aus Arles vor der Kirche Saint Trophime“ (um 1920), ,,Auf dem Weg zur Kapelle“ (1910) und ,,Das weiße Kreuz“. Chabaud verstand es, religiöse Stimmungen in seinen Bildern zum Ausdruck zu bringen. Diese Stimmungen sind jedoch nicht ekstatischer Natur sondern eher vom dumpfen Brüten eines unentrinnbaren Schicksals geprägt. Zudem lassen sie die Furcht vor urtümlichen, noch nicht gänzlich bewältigten Elementen aufkommen. Der mystische Schauer, der aus der halbgeöffneten ,,Grabhöhle“ der Kirche von Samt Trophime dringt, läßt die Frauen aus Arles, die sich davor sammeln, ein wenig. verstört dreinblicken. Die Drehbewegung, der perspektivische Schwung in dem Bild ,,Auf dem Weg zur Kapelle“ läßt etwas von dem Geheimnisvollen der kalten Räume, des Todes und der letztendlichen Zuflucht im bergenden Raum einer einfachen Kapelle ahnen.
Zu den eher heiteren Werken gehören ,,Das weiße Kreuz“ oder auch ,,Das Kreuz und sein Schatten“ (1902). Chabaud liebte es, Formen der Natur, auch der Architektur zu vereinfachen, wodurch sie in den Grad von Anonymität geraten, die uns gerade heute umgibt.
,,Das weiße Kreuz“ wirkt indessen heiter über namenlosen Gründen vereinfachter, ja banaler Lebenswirklichkeit. Selbst wo das Kreuz im Licht zum eigenen Schatten steht, bleibt es Wahr-Zeichen einer erlösten Geistnatur, die Chabaud offenbar den dunklen Kräften zum Trotz jene Balance erhielt, die ihn als Künstler auszeichnet. In seinen eigenen Worten: ,,Eine Kraft, die nicht zur Brutalität wird, eine Weichheit, die nicht fade wird.“
(Dauer der Ausstellung bis 18. Juli 1993). Thomas Illmaier

DER WEG, 27/1993. Bild: „Auf dem Weg zur Kapelle“ von Auguste Chabaud.



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