,,Spuren“ in Unterbarmen
Thomas Corzilius stellt in Hauptkirche aus

Einladend ist die Unterbarmer Hauptkirche ohnehin: Schlanke Doppeltürme, die fast ein bißchen maurisch wirken, Mosaikbänder in den Nischen unter dem Hauptportal und ein geräumiges Foyer, bevor man die Kirche betritt, die sich schlicht und erhaben dem Besucher öffnet, ein einfaches Holzkreuz inmitten des gewaltigen, Licht durchfluteten Innenraums der Kirche.
An der Schwelle zu diesem schönen Kirchenbau, im Foyer, hat Pfarrer Thomas Corzilius Bilder unter dem Motto ,,Spuren“ ausgestellt, die biblisches Geschehen illustrieren und den Himmel suchen, wo er abhanden gekommen scheint. ,,Himmel – welcher Himmel?“ , ein vierteiliger Zyklus, der auch den drogenabhängigen Junkie mit in das große Geschehen einbezieht.
Thomas Corzilius‘ Bilder, von denen besonders gelungen die Trilogie ,,Ich bin, der ich bin“ (Exodus 3, 14) die denkende Phantasie anspricht – Gott und Pilger, der im Gebet die Entsprechung zu Gott sucht, sind zur Nachahmung empfohlen, nicht etwa zur Kopie. Corzilius sieht in dieser Ausstellung seiner eigenen Bilder auch die Hoffnung wachgerufen, daß es ihm jemand nachmacht und von sich aus die Gemeinde zum Eintritt in das Gotteshaus bewegt. Der auch den fremden Pilger, der sich in dieses Gotteshaus ,,verirrt“, einstimmt, näherzutreten und mit der Gemeinde zu teilen, teilzunehmen am Gottesdienst.
Kreativität und Phantasie sind für Pfarrer Corzilius Ermutigungen, christlichen Glauben schöpferisch zu leben, auch verstanden als ,,Protest und Notwehr in einer zunehmend technisierten und konsumorientierten „Lebenswelt“, die nur das Außen, nicht das Innen kennt. Seine Darstellung des „Schmerzenmannes“ und des ,,Ecce Homo“ sind Ermunterungen, durch Eigenes das Gemeindeleben schöpferisch zu bereichern.

Thomas Illmaier

Die Ausstellung unter dem Motto ,,Spuren“ wird den ganzen Sommer über zu sehen sein. Unterbarmer Hauptkirche in der Martin-Luther-Straße. Gottesdienste jeweils 10 Uhr.

DER WEG, 30/1994, S. 7.



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