Backstubengalerie zeigt Schmids ,,Sinnbilder“
Der Maler nutzt selten gewordene Technik

Wuppertal. Die Geschichte ist alt, wird aber immer wieder neu erzählt: wie die Spötter über ihn lachen, der das Kreuz trägt, den Balken. sich abschleppt. Thomas Schmid hat dieses Bild dramatisiert, zugleich entschärft: Seine Spötter in Gestalt von Maya-Priestern und der Christus ein Hans Jedermann, der seinen Balken trägt, verhöhnt von denen, die da herrschen und gut Lachen haben.
Thomas Schmids Werk – in der Backstubengalerie derzeit zu sehen – lebt von der Melancholie eines Menschen, der im Osten Deutschlands aufgewachsen ist, bedroht von der Allgegenwart des diktatorischen Regimes DDR. Erst spät löst sich Schmid von den Ansprüchen des Systems, das ihn beruflich vollkommen aufgesogen hat. Erst spät findet er neben dem Beruf zur Malerei, schult sich, malt, drückt sich aus. Seine Ausstellung in Wuppertal heißt ,,Sinnbilder“ – sie kündet vom Sinn seiner Bilder:
Erkenntnis und Sinnenfreude. Seine Technik garantiert beständigen Farbglanz und ist sehr selten geworden: Pigmente, berichtet er, werden durch eine Emulsion aus Ei, Dammarfirnis und Wasser gebunden. Das wirkt auf Dauer brillanter noch als die bekanntere Ölmalerei.
Da wirken leere Städte auf den Betrachter ein, verlassene Dörfer, steingraue Kirchen, Holz-kreuze in verlassener Landschaft. Wo sind die Menschen? Thomas Schmid zeigt einige: ,,Fruchtlose Gesellschaft‘, die mit den Früchten ihres Lebens spielt, ohne sie zu genießen. Menschen einer Gesellschaft, die als ganze keine Frucht tragen kann.

(Thomas Schmid aus Wittenberg in der Backstubengalerie, Schreinerstr. 2 bis 30. Juni 1993; Ausstellung: Mi 16 bis 19 Uhr, Sonntag 11 bis 13 Uhr, Tel. Wuppertal 304316).

Thomas Illmaier

DER WEG, 24/1993.

 

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