Pastor Heinz Schmidt

Kinnings, das schaffen wir

THOMAS LLMAIER

GEESTHACHT – ,,Kinnings, das schaffen wir schon‘, so hat stets die Devise von Pastor Heinz Schmidt gelautet, der wohl wie kein anderer das Gemeindeleben der Stadt ,,an der Elbe blauen Bande“ prägte; daß diese Gemeinde zur Blüte reifte, ist wesentlich sein Werk.
Elf Jahre war der Krieg vorbei, als Pastor Heinz Schmidt nach Geesthacht kam, wohin ihn Bischof Hentrich berufen hatte. Was er vorfand, war ein großes Dorf. Da wurden noch Kühe durch die Straßen getrieben, und Kopfsteinpflaster bildete allenfalls die Ausnahme. Die Stadt mit Alfred Nobels inzwischen gesprengten Pulverfabriken war außerdem mit Flüchtlingen überfüllt. Geesthacht glich einem großen Lager.
Die vielen Menschen suchten nach dem Verlust der Heimat nicht nur Anlehnung und Trost, sondern wollten auch mithelfen, die neue Heimat an der Elbe aufzubauen und mitzugestalten.
Pastor Heinz Schmidt hatte dem Rechnung zu tragen. Er war mehr als ein Seelsorger, der die Gemeinde salbungsvoll hätte beeindrucken können. Schmidt war vor allem Mensch, und das drückte er im Umgang mit den Mitmenschen auch voller Tatkraft aus. Seine Stärke war die Fröhlichkeit, die ihm die Gabe der Verkündigung, der Seelsorge und der zielsicheren Tatkraft verlieh und die Menschen mitriß.
Als Pastor hatte Heinz Schmidt die denkbar schlechtesten Voraussetzungen, sollte man denken. Als Zahlmeister der Hapag-Flotte, auf See, Soldat vom ersten Tage an, Kriegsgefangener und wie alle Deutschen vom Schock der Nazizeit geprägt, fing er 1947 tatsächlich ein neues Leben an. Der gelernte Kaufmann wurde Pastor – mit nichts als dem guten, aber festen Willen, aus der Katastrophe zu lernen und in der Folgezeit nur Gott zu dienen zum Wohle der Menschen. Und tatsächlich wurde er Pastor, trotz Hunger, Zerstörung und immens schwierigen Bedingungen des Neubeginns.
Der Aufbau der christlichen Gemeinde in Geesthacht paarte sich mit dem Willen zum Wiederaufbau der Deutschen überhaupt. Und Pastor Schmidt baute. Ende der 50er Jahre, Schmidt wurde erst 1956 Pastor an St. Salvatoris, wurde das Mehrfamilienhaus für kirchliche Mitarbeiter bezugsfertig. 1960 folgte das ,,Haus der Begegnung“, das in den Jahren darauf zum allgemeinen Mittelpunkt Geesthachts wurde.
Hier wurden nicht nur kirchliche Feste gefeiert, sondern hier gab es Schulfeste, Theaterveranstaltungen, Jungscharen, Chornachmittage etc. Und immer war das Haus voller fröhlicher Menschen. Das neue Pastorat schloß sich 1966 an, als Teil des geplanten und bereits im Modell fertigen Sozialzentrums. 1970 schließlich wurde das Kindertagesheim eingeweiht, und wie mochten Pastor Schmidt die Kleinen!
Fünfzehn Jahre Aufbauarbeit und immer war‘s gerammelt voll: Die St. Salvatoris Kirche wurde durch Schmidts Aktivitäten ein weithin ausstrahlendes Zentrum christlichen Gemeindelebens. Auf dem Höhepunkt dieser Entwicklung, die ihm so viel Erfolg, aber auch manchen Neid eintrug, schied Pastor Schmidt aus dem Amt in Geesthacht und wurde Pastor in Nettelnburg am Rande Hamburgs.
Seine Laufbahn beschloß dieser wirkungsvolle und doch zutiefst bescheidene Gottesmann als Seelsorger im Eilbeker Krankenhaus in Hamburg. Der betagte heute 83jährige Pastor findet, Pastoren sollten nicht so viel politisieren und schon gar nicht von der Kanzel herab. Einer Partei sollten die Hirten der Gemeinde ebenfalls nicht angehören; denn Parteiungen stiften Unfrieden und Zwist wie überall, so auch in der Gemeinde. Den Blick für den Menschen finden, als Christ fröhlich und mit Zuversicht mutig die ihm anvertrauten Aufgaben angehen und lösen, das sei die Form, in der Gottes Botschaft zündet.
Und praktisch gehört dazu so mancher Hausbesuch, besonders bei den Alten, die den Zuspruch ihres Pastors ganz besonders brauchen. Den Kontakt zur Gemeinde zu halten, ohne dabei auf die Uhr zu gucken, und jeden in seiner Einmaligkeit anzunehmen, sagt Pastor Schmidt. ,,Darauf kommt es an.“

Zwei Fotos mit Text:

St. Salvatoris ist auch heute noch vor allem Traukirche. Pastor Heinz Schmidt an der Spitze eines Hochzeitszuges. Kindern galt Schmidts ganze Zuwendung. 1970 konnte er den neuen Kindergarten endlich einweihen.


Nordelbische Kirchenzeitung, 345/1998, S. 6.


 

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