Die
Weltkriege ließen diese Maler erneut zur Bibel greifen
Graphik des Expressionismus im Von der Heydt-Museum
Die Kunst des Deutschen Expressionismus hat bis heute nichts
an Bedeutung eingebüßt. Der Russe Wassily Kandinsky formulierte
in seinem Buch ,,Über das Geistige in der Kunst“ das Programm des
Expressionismus, der zum Spiegel des Jahrhunderts wurde. In der Kunst des
Deutschen Expressionismus sind die Katastrophen der Weltkriege stimmungsmäßig,
aber auch durch Bruch und Zerstörung der traditionellen Formenwelt, au
die das menschliche Auge seit der Renaissance gewöhnt war, vorweggenommen.
In einer groß
angelegten Schau zeigt das Von der Heydt-Museum aus eigenen Beständen
bis 16. Februar die Graphik des Expressionismus. ,,Brücke“ und
,,Blauer Reiter“, so der Ausstellungstitel, sind die beiden wichtigsten
Künstlervereinigungen des Expressionismus gewesen. Die ,,Brücke“
in Dresden und der „Blaue Reiter“ in München sind inzwischen
zu Begriffen geworden, die aus der revolutionären Kunst des 20. Jahrhunderts
nicht mehr wegzudenken sind.
Die Künstler
des Expressionismus, vor allem Nolde, Schmidt-Rottluff, aber auch Heckel widmeten
sich religiösen Themen. Erich Heckels ,,Betende“ hat nichts von
ihrer ursprünglichen Eindringlichkeit verloren. Die Erfahrungen des Weltkrieges
ließen diese Maler erneut zur Bibel greifen, sei es zur Illustration
oder aber zur einsamen Selbstverständigung mit der biblischen Welt der
christlichen Tradition.
Else Lasker-Schüler,
die mit einigen der Maler des Expressionismus in freundschaftlicher Verbindung
stand, ist ebenfalls mit Werken in der Ausstellung vertreten. Das Von der
HeydtMuseum bietet außerdem ein breit gefächertes Begleitprogramm
an Filmen, Vorträgen und sogar Tanzdarbietungen an. Info: Telefon 0202-563-6231.
Thomas Illmaier
DER WEG, 3/1997, S. 6. Bild: „Die Heiligen drei Könige“ (1917) von Karl Schmidt-Rottluff.