Himmel
und Erde in ihrer Unermeßlichkeit
Ausstellung in der Galerie Polyprint
In einer Welt, die von Menschen zugebaut wird, stoßen
die Bilder von Jürgen Schmitz ein Fenster auf. Wir sind es nicht mehr
gewöhnt, die Himmel zu sehen, nachdem wir uns eingemauert haben in Beton.
Dieser Realität trägt Jürgen Schmitz Rechnung. Industrielandschaften
ohne Beschönigung, aber – man muß nur die Augen heben, und
der Himmel tut sich auf.
Seit der Renaissance,
als der Mensch seine neue Freiheit ins Bild setzte und den Raum erschloß,
haben Künstler gewetteifert, das Kostbarste, was wir kennen, ins Bild
zu setzen: Himmel und Erde in ihrer Unermeßlichkeit. Die ungeheuer weiten
Himmel in den Bildern von Jürgen Schmitz geben etwas von der Hoffnung,
die alles Leben motiviert. Sie zeigen die Freiheit, die es in der Offenheit
des Raumes zu entdecken gibt.
Sekundierend zu den
ungeheuren Raumperspektiven zeigt Ursula Rössner Stilleben ganz eigener
Art. Alltägliche Gegenstände werden wie auf einer Bühne arrangiert,
und zwar real: Steine von Elba, Primeln, eine Kaffeedose und anschließend
gemalt. Ursula Rössner malt in Pastell, was den Gegenständen ihre
Härte nimmt und sie eingewoben zeigt in eine übernatürliche
harmonische Ordnung.
Ein Stilleben verbreitet
Ruhe. In früheren Jahrhunderten waren Stilleben Andachtsbilder, sie dienten
der Meditation. Etwas davon hat Ursula Rössner gerettet. Die Magie des
geheimen Lebens, wie wenn Gegenstände unter sich kommunizieren –
nonverbal: Seid stille, wie es in dem berühmten Psalm heißt, und
erkennet, daß ich Gott bin. Dies im Kleinsten und Alltäglichen
zu entdecken, macht die Magie der Rössnerischen Stilleben aus.
Thomas Illmaier
Galerie Polyprint: Jüirgen Schmitz – Ölbilder/Ursula Rössner – Pastelle. Ausstellung –Mäuerchen 31/City Center, Wuppertal-Elberfeld – bis 15. Januar, geöffnet während der Geschäftszeiten, Telefon 441944.
Bild: „Fähr-Anlegestelle / Abend am Niederrhein“, Öl auf Leinwand, von Jürgen Schmitz.
DER WEG, 51/1996, S. 6.