Menschen
sollen von innen leuchten
Wolfgang Schmitz zeigt Bilder in der Stadtsparkasse in Wuppertal
Wuppertal. ,,Am schwärzesten Fluß
der Welt, der Wupper, lernt man erkennen, welche Menschen leuchten.“
So schrieb einst Else Lasker-Schüler, die Wuppertaler Dichterin. ,,Menschen,
die leuchten...“ wollte auch der Künstler Wolfgang Schmitz finden
und machte sich auf die Suche. Was er fand, zeigt nun die Stadtsparkasse Wuppertal
in einer Ausstellung mit Drucken und Zeichnungen des Künstlers.
Die Menschen, die
Wolfgang Schmitz fand, ,,leuchten“ nicht auf den ersten Blick. Manchmal
muß man sie wie mit der Lupe suchen. Das Getriebe der Stadt, die Rastlosigkeit
der Menschen, erschweren die Begegnung. Oft bleiben die Menschen in der Großstadt
einander fremd. Menschen, wie Schmitz sie suchte, trifft man nicht oft.
Natürlich geht
es nicht um leuchtende Menschen im Banne von Neon-Reklame, Mode und Schmuck.
Menschen, von der Dichterin, vom Künstler gesucht, sollten von innen
her leuchten, ,,erleuchtet sein“, oder ist das nur ein frommer Wunsch?
In den Bildern von Wolfgang Schmitz werden moderne Menschen gezeigt, aber
die Vergangenheit ist nicht tot.
Die Welt, wie sie
Else Lasker-Schüler kannte, das Vorkriegselend der Massen, der Gram,
das Leiden, das ist in den Bildern des Künstlers noch immer gegenwärtig.
Was es bedeutet, in Zeiten der Not auch nur einen Menschen zu finden, der
hilft, weiß der, dem geholfen wurde. Diese Hilfe kann Menschen in der
Erinnerung verklären. Die schwärzesten Zeiten, heißt es, bringen
gewiß auch Lichter hervor: War es nicht das göttlich empfundene
Licht, das gerade in Zeiten großer Finsternis nicht aufhörte zu
leuchten?
Die Bilder von Wolfgang
Schmitz mögen nicht in jedem Detail zeigen, wo der Nachbar steht und
wer er ist. Sie werden aber den Blick schärfen helfen.
Der Mensch, den Schmitz
darstellt, fragt sich oft, sei es im Café, sei es im Schauspielhaus:
,,Was soll ich hier?“ Nicht bewußt fragt er sich das, aber die
Frage steht ihm im Gesicht geschrieben. Oft mag das sogar komisch sein.
Beängstigend
ist es dagegen, suchende Menschen zu beobachten, die das Licht nicht finden,
aber genau wissen, daß sie etwas verloren haben. Sie mögen sich
über dieses Etwas nicht genau bewußt sein und über dieses
Nichtverstehen sogar verwirrt sein.
Solche Menschen zeigt
uns Wolfgang Schmitz, und es sind ihrer viele. Er malt sie ,,vor Ort“,
denkt sich nichts aus. Karikiert mitunter, um die versteckten Züge genauer
herauszuarbeiten. So etwa am Objekt: Zum Friedrich Engels-Denkmal in Wuppertal-Bannen
gesellt er den Spruch: ,,Ihr habt nichts als eure Ketten zu verlieren.“
Durch Schmitz‘ Zeichnung wird recht deutlich, wie viel Wind in solchen
Sätzen liegt; denn der Kraftakt der Befreiung führt, wenn der Geist
fehlt, in immer neue Verwirrung. Das drückt das Engels-Denkmal aus. Fehlt
der Geist, springen keine Schlösser auf, die Ketten bleiben geschlossen.
Leuchtet der Geist,
liefert er auch den Schlüssel, die Ketten zu sprengen.
Die Ausstellung ,,Menschen die leuchten“ von Wolfgang Schmitz in der
Stadtsparkasse Wuppertal, Islandufer, ist täglich während der Schalterstunden,
noch bis zum 18. September 1992 zu sehen.
Thomas Illmaier
DER WEG, 38/1992, S. 14. Bild: „Menschen die leuchten“ von Wolfgang Schmitz.