John SnellingASIATICA - die Buddhisten

Die Buddhisten sind eine heterogene Gruppe mit eigenen Interessen, die jedoch schüchtern geäußert werden. Die europäischen Gehilfen der asiatischen Führer des Buddhismus hampeln und strampeln sich ab. Sie partizipieren an der Macht und von der Ausstrahlung der asiatischen Führer und glauben, das sei ihr Ding. Von einer europäischen buddhistischen Bewegung kann keine Rede sein. Die Abhängigkeit von Asien ist zu groß. Damit ist nicht die historische Beziehung auf den Buddha gemeint, der natürlich Asiate war. Gemeint ist die Abhängigkeit der europäischen Buddhisten von ihren Kollegen aus Asien. Schaut man sich die buddhistische Presse in Europa an, so ist der Inhalt derselben zumeist ein Abklatsch von Vorträgen, Büchern, Statements der asiatischen Führer.
Man könnte über diese Lage lächeln, wenn mit dem Asienimport nicht auch die politischen Querelen, Intrigen und Machtkämpfe der Buddhisten untereinander importiert und nun auf europäischem Boden ausgetragen werden. Die Rangelei insbesondere in der tibetischen Sangha ist allzu bekannt.
Auf Kreativität wird nicht allzu viel Wert gelegt. Dem widerspricht auch die ganze buddhistische Erziehung, insbesondere im tibetischen Lehrer-Schüler Verhältnis. Zudem ist die Ablehnung des Schöpferischen im Buddhismus geistesbedingt: Der Buddha verstand sich nicht als Creator; er wickelte sein letztes Leben ab, aber wirkte doch kein neues Leben. Schöpfung und Nirvana schließen sich aus. Das Konventionelle der buddhistischen Haltung und ihr öffentliches Wirken erklärt sich daraus.
Der geplante buddhistische Kongreß Europas (!) in Berlin wird daher vor allem eine Selbstbespiegelung der asiatischen Führer sein, denen die Kinder applaudieren werden. Die deutsche buddhistische Union richtet den Kongreß aus. Das heißt, sie macht das Bett, und der Dalai Lama legt sich hinein. Kinder werden das verstehen.

Profundes Handbuch für den westlichen Leser
John Snellings Buch ,,Buddhismus“ (Diederichs Verlag 1991) ist ein profundes Handbuch für den westlichen Leser. Er wird in diesem Buch alle wesentlichen Aspekte des Buddhismus dargestellt finden.
Allerdings stolpert man über Worte wie , Horde‘, um die Hippies zu bezeichnen, mit denen der Verfasser offenbar nicht so viel im Sinn gehabt hat. (Er war wohl kein Hippie.) Darum fehlt wahrscheinlich auch der Hinweis im breiten Schlußkapitel des Buches – ,,Who is Who“ im Buddhismus – der Hinweis auf Ole Nydahl, der ein Hippie war und für die Gründungsbewegung des Buddhismus auf dem europäischen Kontinent, besonders in Deutschland und Polen der 70er und 80er Jahre, von großer Bedeutung war.
Das ,,Who is Who“ hat wahrscheinlich seine eigene Geschichte, die mit Snellings Geschichte wohl verknüpft ist. Natürlich kommt er selbst nicht darin vor. Es scheint auch, daß er eher dem Hörensagen vertraut, um dem Ruf eines bedeutenden Repräsentanten des Buddhismus in seinem ,,Who is Who“ Geltung zu verschaffen. Was man zum Beispiel über Herbert Guenther liest? ,,Wurde häufig wegen seiner Unklarheit und dem verwirrenden Mischkauderwelsch der verschiedenen unterschiedlichen Disziplinen kritisiert; wurde nichtsdestoweniger als eine wahre Festung des tibetanischen Buddhismus – so groß, daß sie unangreifbar scheint (Hugh Richardson) bezeichnet.“ Guenthers Bücher, besonders seine späten, sind schwer zu lesen, weil sie westliche philosophische Bildung erfordern. Wer sich im Deutschen von Guenthers geistigem Rang einen Eindruck verschaffen will, lese seine Originalübersetzung des „Juwelenschmucks der geistigen Befreiung“ von Gampopa (Diederichs Verlag 1989).
Was den westlichen Leser betrifft, oder wer sonst noch dieses Buch liest, er wird bei Who is Trungpa auch nur finden, was man ohnehin schon weiß, ausgenommen, daß Trungpa ein Trinker war, der seinen aidsverseuchten Stab herumhuren ließ. In Amerika kräht heute kein Hahn mehr nach Buddhismus. Und auch hier ist den Dingen ein Ziel gesetzt.
Aber John Snelling ist kein Nestbeschmutzer. Daß Robert Ley betrunken vor die Massen trat, hat damit nichts zu tun.

Mit Urin und Gebeten ist kein Land zu verteidigen
Der Fall Tibet zeigt sehr deutlich, daß man mit dem Urin des Dalai Lama und Gebeten nicht ein Land gegen seine Usurpatoren verteidigen kann.
Der tibetanische Buddhismus hat auf der ganzen Linie versagt.
Das ist auch der Grund, der ihn im Westen diskreditiert. Die Allüren Trungpas, Nydahls Intrigen und die anderer Lamas sind nur die Spitze des Eisbergs, auf die der Sangha auflaufen wird. Wenn der Sangha nicht sein Schattendasein aufgibt und aus dem Schatten Asiens heraustritt, wird der europäische Buddhismus seinen Weg nicht finden. Der Europäische Buddhistische Kongreß möge das bedenken. Heute steht hinter jedem Guru ein Asiate, dessen Wesen tyrannisch und verdorben ist. Mag der Buddha auch erleuchtet sein. Asien ist heute immer noch der Schatten auf dem Weg, der den Europäer nicht behindern darf. Asien verbindet uns mit unserer heidnischen Seele, die genauso tyrannisch und verdorben ist. Um das zu verstehen, muß man kein Heiliger sein. Es reicht, die isländischen Sagas zu lesen. Dann achte man darauf, was in der Gegenwart passiert.
Ich wollte einen vierten Teil der ,,Asiatica“ schreiben, um zu zeigen, daß wir die Asiaten brauchen. Denn wenn sie uns ihre Unterstützung nehmen, bricht hier alles zusammen. Übrig bleiben freie Menschen. Asien behält beratende Funktion. Im übrigen überläßt man den erleuchteten Europäern – den Aufbau des Buddhismus? Das ist doch absurd. Man kann den Buddhismus verstanden haben und dann sich verabschieden. Man bringt sein Leben hinter sich. Die Spiele, die Rituale und Stelldicheins, überläßt man den Kindern.
Mag sein, daß ein tibetanischer Höhlenheiliger die Augenbrauen anhebt.

Thomas Illmaier

Esoterik und Wissenschaft, Mai-Aug. 1992, S. 30-31.


 

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